Bei der Initiative «30-Minuten-Gratisparkieren» werden vor allem jene Leute berücksichtigt, die gerne ab und zu 80 Rappen sparen, und nicht Geschäfte, Cafés und Restaurants. Die 600’000 Franken, die der Stadt Wil durch den Ausfall der Parkgebühren entzogen würden, müssten durch höhere Steuern oder Leistungskürzungen im selben Umfang kompensiert werden. Dass das Zweite nicht ganz einfach ist, weiss der Stadtrat schon längst und das hat das Parlament an der letzten Budgetsitzung bewiesen. Die Stadt budgetiert bereits ein Defizit von rund acht Millionen, dieses soll nicht unnötig erhöht werden. Sparen im grossen Stil tut weh, nicht allen,
aber all jenen, die es betrifft, am härtesten Menschen mit tiefen Löhnen und Familien mit Kindern. Diese Gruppen sind auf freiwillige Leistungen angewiesen. Aber unter anderem müssten diese Leistungen reduziert werden, denn ein grosser Teil der jährlichen Ausgaben (Löhne, Schulen, Unterhalt usw.) sind gebunden. Mit einem Nein zur Initiative können Kürzungen von Vergünstigungen (für Stadtbibliothek, Ludothek, Musikschule, Bad, Eisbahn, Kita, Spielgruppen, Vereine, Kulturstätten usw.) vermieden werden. Ein Ja zum Stadtfonds wird das Gewerbe mit gezielten Aktionen stärken. Deshalb unterstützen auch Wil Shopping und die IGOB den Stadtfonds. Sie haben bereits vier Projekte skizziert und lehnen die Initiative ab. Die Vergünstigung von Wiler Einkaufsgutscheinen wäre eine weitere Idee, wie der Stadtfonds genutzt werden könnte. Das generiert im Unterschied zur Initiative messbare Wertschöpfung. Sollte der Stadtfonds angenommen werden, besteht nach Eingabe der Projekte innerhalb von sechs Wochen Anrecht auf einen Entscheid. Bei diesem Sachverhalt drängt sich für das Stimmvolk die Frage auf, ob es den Initianten bei ihrer Forderung um die Unterstützung der Geschäfte geht, oder nicht vielmehr um die Mentalität «Geiz ist geil».

Guido Wick
Stadtparlament, Grüne prowil